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Die Hominisation (lat. die Menschwerdung) bezeichnet die biologische und kulturelle Entwicklung der Gattung Mensch im Rahmen der Evolution. Die Menschwerdung begann nach heutigem Forschungsstand in Ostafrika. Durch zufällige Veränderungen (Mutationen) des Erbguts, genetische Rekombinationen und natürliche Selektionsprozesse entstanden in mehreren Ansätzen und teilweise parallel aus schimpansenähnlichen Vorfahren neue Zweige des Stammbaums, wobei aus einem davon letztlich der Homo sapiens hervorging. Warum von allen Menschenformen nur der moderne Mensch übrig blieb, gehört zu den ungelösten Fragen der Paläoanthropologie, einer Unterwissenschaft der Anthropologie. Generationen von Forschern suchten und suchen nach fehlenden Gliedern, die die Übergänge von einer Art zu einer anderen belegen würden. Das Auffinden solcher Missing Links ist zufallsbedingt und gilt als äußerst unwahrscheinlich, da die Entstehung neuer Zweige zumeist auf nur wenige Individuen einer Kernfamilie beschränkt bleibt. In der Mehrzahl der Fälle findet man unvollständige Fossilien (meist nur Schädelteile, Unterkieferknochen, Zähne, Bein- und Armknochen, Teile des Beckens etc.) von Individuen, die lediglich einem Seitenzweig der Entwicklung entstammen.
Bearbeiten Der „Stammbaum“ des Menschen
Evolution des Menschen ab den Australopithecinen; von unten nach oben: Ardipithecus ramidus, Australopithecus afarensis, Australopithecus africanus, Homo habilis, Homo ergaster, Homo rudolfensis, Homo erectus, Homo heidelbergensis, Homo neanderthalensis, Homo sapiens
Die Frühgeschichte der Menschenaffen kann etwa 32 Mio. Jahre zurückverfolgt werden, beginnend mit den Funden aus der Provinz Fayum in Ägypten. Dort konnten die Überreste von sechs verschiedenen Primatengattungen gefunden werden. Man nimmt heute an, dass die Menschwerdung vor etwa 8-5 Millionen Jahren in Afrika begann. Stammesgeschichtlich haben sich die Vorfahren der Schimpansen zu dieser Zeit von der zum Menschen führenden Entwicklungslinie abgetrennt. Bearbeiten Die frühesten aufrecht gehenden HominidenNach dem Fund eines Schädelknochens im Tschad im Jahr 2001 und Funden im Rift Valley (Kenia), einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs, im Jahr 2000, gelten der Sahelanthropus tchadensis, der auch als Toumaï bezeichnet wird, und der so genannte „Millennium-Mann“ der Art Orrorin tugenensis als mögliche Anwärter auf die Bezeichnung „älteste Vorläufer des Menschen“. Sollten sich die Annahmen der Experten bestätigen, gab es schon vor 6-7 Millionen Jahren aufrecht gehende Hominiden. Bereits 1994 wurden Hominiden-Fossilien in Äthiopien entdeckt, die etwa 4,4 Millionen Jahre alt sind und zu einer Art gehören, die als Ardipithecus ramidus (von ramid = die Wurzel) bezeichnet wird. Diese Individuen sahen noch menschenaffenähnlich aus, konnten aber wahrscheinlich aufrecht gehen, wie 3D-animierte Computersimulationen zu belegen scheinen. Jüngere, im Sommer 2006 in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Genanalysen des Broad Institute, eines gemeinsamen Instituts des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Harvard University, legen nahe, dass eine erste Abspaltung noch wesentlich früher erfolgte und der gemeinsame Weg von Menschen- und Menschenaffenvorfahren länger dauerte und ungewöhnlicher verlief, als bisher angenommen wurde. Bei dieser Studie wurden 800-fach mehr Gene als in früheren DNA-Analysen verglichen, nämlich 20 Millionen Basenpaare von menschlicher DNA, Schimpansen- und Gorilla-DNA. Die Untersuchungen bezogen sich primär auf die so genannte molekulare Uhr: Dabei wird der Verlauf der Evolution mit Hilfe von Genmutationen berechnet, die sich in besonderen „Schlüsselsequenzen“ des Erbguts abgespielt haben. Dies ermöglichte eine weit präzisere Datierung und Bestimmung der Auseinanderentwicklung von Mensch und Hominiden. Danach teilte sich eine frühe Affenart vom gemeinsamen Vorfahren bereits vor ca. 10 Millionen Jahren ab. Die unterschiedlichen Populationen vereinigten sich jedoch einige Jahrtausende später wieder und bildeten eine Mischpopulation, die zu Kreuzungen mit den Vorfahren tendierte. Es ergibt sich also ein komplizierter und sehr lange währender Prozess der Kreuzungen sich auseinander entwickelnder Gruppen, bis eine erstmalige grundlegende Trennung der Schimpansenvorfahren und der Vorfahren des Homo vor ca. 6,3 bis 5,4 Millionen Jahren erfolgte. Noch interessanter sind die Behauptungen der Forscher, dass diese Trennung noch nicht definitiv war, sondern dass es danach noch gut vier Millionen Jahre dauerte bis sich von der zum Schimpansen führenden Linie die zum Menschen führende Linie endgültig abspaltete, beide Arten also erst vor etwa 1,2 Millionen Jahren getrennte Wege gingen. Dies würden beim Menschen die X-Chromosomen belegen, die für die Bestimmung des Geschlechts wesentlich sind und die sich erst zu diesem späten Zeitpunkt in der für Menschen charakteristischen Form herausbildeten. Dieses konkrete Szenario blieb selbstverständlich nicht unwidersprochen, wirft aber ein neues Licht differenzierterer Betrachtungen auf den Prozess der Menschwerdung, was allgemein anerkannt wurde. Bearbeiten AustralopithecinenZu den relativ gut bekannten Vorläufern des Menschen gehören die Australopithecinen, deren Funde bisher auf Ost-, West- (Tschad) und Südafrika beschränkt sind. Nach den bisher vorliegenden Funden unterscheidet man verschiedene Arten, darunter Australopithecus anamensis, Australopithecus africanus und Australopithecus afarensis. Ferner wird eine Sonderlinie von Australopithecinen mit einem robusteren Gebiss neuerdings zur Gattung Paranthropus gezählt. Der erste Fund eines Australopithecus wurde 1924 in Taung im heutigen Südafrika gemacht und von Raymond Dart 1925 in der Zeitschrift Nature wissenschaftlich beschrieben. Der gut erhaltene Schädel eines ungefähr drei Jahre alten Individuums ist heute als das „Kind von Taung“ bekannt. Es gehört zur Art Australopithecus africanus. Ein ebenfalls sehr gut erhaltenes Australopithecinen-Skelett wurde am 30. November 1974 von Donald Johanson entdeckt, der an diesem Tag in Begleitung des Postdoc Tom Gray am Fundort 162 in Hadar (Afar-Region), Äthiopien, unterwegs war. Bei diesem Fund handelt es sich um die Knochen eines 3,18 Millionen Jahre alten Weibchens. Es wurde auf den berühmt gewordenen Namen „Lucy“ getauft. Namensgeber war laut Johanson der Beatles-Song Lucy in the Sky with Diamonds, der auf der anschließenden Feier im Camp der Forscher wiederholt gespielt wurde. Wissenschaftlich gehört der Fund zur Art Australopithecus afarensis. Der Knochenbau zeigt eine Verdickung unter dem Kniegelenk (zum Abfangen des Körpergewichts beim Aufrechtgehen) und weist keine tiefe Grube mehr für die Elle im Ellbogen auf (wie bei Primaten, die sich mit den Fingerknöcheln beim Gehen abstützen). Das Skelett bestätigt somit den aufrechten Gang der Australopithecinen. Lucy befindet sich heute im Nationalmuseum von Äthiopien in Addis Abeba, ein Abguss vom Original ist im Frankfurter Senckenbergmuseum ausgestellt. Bei Laetoli in der Olduvai-Schlucht in Tansania wurden Fußabdrücke von anderen Australopithecus-afarensis-Individuen gefunden, die ebenfalls eindeutig belegen, dass Vertreter dieser Art aufrecht gingen. Auch der Fund von DIK 1-1, eines dreijährigen Australopithecus-afarensis-Mädchens aus dem Jahr 2000 (das auch als Dikika girl, das Mädchen von Dikika bzw. als „Selam“ bezeichnet wird), konnte zweifelsfrei aufrecht gehen. Dieser sehr gut erhaltene Fossilfund zeigte aber auch auf, dass zumindest junge Australopithecinen noch gut im Geäst der Bäume hangeln konnten, vergleichbar den modernen Schimpansen. Bearbeiten Die Sonderform des „Flat Faced Man“Etwa zeitgleich mit „Lucy“ lebte in Afrika im selben Verbreitungsgebiet der 1999 von Meave Leakey in Kenia entdeckte Kenyanthropus platyops. Wegen seines flachen Gesichtsschädels wird er auch „Flat Faced Man“ genannt. Seine Stellung als eigene Gattung neben der Gattung Australopithecus ist umstritten. Bearbeiten Zeittafel (nach Fossilfunden)Eine schematische und grobe Einteilung nach dem zeitlichen Auftreten der unterschiedlichen Hominiden-Gattungen bis hin zum Auftreten der Gattung Homo bietet die folgende Übersicht: Homo Paranthropus Australopithecus Kenyanthropus Ardipithecus Orrorin Sahelanthropus 0-x---------------------------------------------------------------------------------- x x x 1-x-----x---------------------------------------------------------------------------- x x x x x x x 2-x-----x------------x---------------x----------------------------------------------- x x x x x x x 3--------------------x---------------x----------------------------------------------- x x x 4------------------------------------------------------------------------------------ x x 5------------------------------------------------------------------------------------ x x 6--------------------------------------------------------------x---------x----------- x x x 7------------------------------------------------------------------------x----------- | Millionen Jahre Vergangenheit Bearbeiten Die Gattung HomoAus den Australopithecinen, womöglich aber auch aus dem „Flat Faced Man“, entwickelten sich vor zwei bis drei Millionen Jahren die ersten Vertreter der Gattung Homo, deren Fossilien insbesondere aufgrund von Werkzeugfunden zu Homo gestellt wurden. Hierbei handelt es sich um Homo rudolfensis (benannt nach dem Rudolf-See, heute Turkana-See, in Kenia) und Homo habilis (der „geschickte“ Mensch). Als etwas jüngere Art gilt Homo ergaster. Die Verwandtschaftsbeziehungen dieser Arten sind bislang umstritten. Vor etwa eineinhalb bis zwei Millionen Jahren entwickelte sich Homo erectus. Diese Menschenform war die erste, die Afrika verließ und sich über den vorderen Orient nach Europa und Asien auszubreiten begann; der erste Nachweis der Gattung Homo außerhalb Afrikas stammt von den homininen Fossilien von Dmanisi, die auf 1,8 Millionen Jahre datiert wurden. Auch lernte Homo erectus als erster, das Feuer zu beherrschen. Umstritten ist, ob die in Kenia gefundenen, 1,4 Millionen Jahre alten Spuren verbrannten Lehms bereits als Feuerstellen des Homo erectus gedeutet werden können. Gesichert ist der Feuergebrauch vor 500.000 Jahren in China und vor 400.000 Jahren in der Bretagne. Homo floresiensis, scherzhaft auch „Hobbit“ genannt, dessen Überreste 2003 auf der indonesischen Insel Flores entdeckt wurden, wird von einigen Forschern für eine späte „Zwergform“ des Homo erectus gehalten. Diese Ansicht wird durch die Analyse der Schädelform gestützt. Neuere Untersuchungen der Handgelenke deuten aber darauf hin, dass Homo floresiensis höchstens auf der Stufe eines Australopithecinen stand. Andere anatomische Merkmale wurden als krankhafte Abweichung von Homo sapiens gedeutet. Eine Klärung der Einordnung dieser Funde in den Stammbaum der Gattung Homo steht wegen der zur Zeit noch widersprüchlichen Deutungen aus. Vor ca. 800.000 Jahren entwickelte sich aus Homo erectus eine Form mit größerem Gehirn, die als Homo heidelbergensis bezeichnet wird. Es ist umstritten, ob sie als eine Unterart des Homo erectus (europäische Paläoanthropologie) oder als eigene Art (angloamerikanische Paläoanthropologie) zu klassifizieren ist. Aus Homo heidelbergensis bzw. Homo erectus heidelbergensis entwickelten sich in Europa die Neandertaler (Homo neanderthalensis), während zur selben Zeit aus den in Afrika verbliebenen Populationen des Homo erectus der Homo sapiens hervorging, der heutige Mensch (siehe auch: Archaischer Homo sapiens). Die vier genannten Menschenformen könnten sogar teilweise gleichzeitig gelebt haben, denn noch aus der Zeit von vor ca. 50.000 Jahren wurden in abgelegeneren Gebieten, so auf Java, Fossilien des Homo erectus gefunden. Bearbeiten Homo sapiens - Out of Africa?
Über die Ursprünge des Homo sapiens gingen die Meinungen lange Zeit auseinander: Die sogenannte Out-of-Africa-Theorie basiert auf Fossilfunden, denen zufolge die Ausbreitung vor etwa 60.000 bis 70.000 Jahren durch eine zweite Auswanderungswelle von Homo sapiens aus Afrika in alle anderen Regionen der Erde begann. Vertreter der „multiregionalen Hypothese“ vertraten hingegen die Ansicht, dass sich lokale Populationen des Homo erectus, die viel früher aus Afrika auswanderten, mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt zum modernen Menschen entwickelten, wobei es in Kontaktzonen zu einer genetischen Vermischung lokaler Gruppen der dortigen frühen Menschen gekommen sei. Genetische Analysen des Y-Chromosoms und der Mitochondrien des Menschen stützen inzwischen die Out-of-Africa-Theorie. Eine Vermischung zwischen Homo sapiens und den späten Vertretern von Homo erectus (hierzu gehört auch der europäische Neandertaler) ist diesen Befunden zufolge äußerst unwahrscheinlich, auch wenn sie nicht mit völliger Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Die ältesten Funde des modernen Menschen in Afrika sind etwa 160.000 Jahre alt. Außerhalb Afrikas reichen Funde des Homo sapiens bis etwa 100.000 Jahre zurück. Es handelt sich bei ihm um die einzige Menschenart, die Amerika (vor etwa 11.500 bis 15.000 Jahren, nach mancher Ansicht wesentlich früher) und Australien (vor etwa 60.000 Jahren) besiedelt hat. Homo sapiens ist zugleich der letzte Überlebende der Gattung Homo innerhalb der Familie der Hominiden. Bearbeiten Der Hofmeyr-Schädel aus SüdafrikaMitte des letzten Jahrhunderts wurde nahe der Stadt Hofmeyr in der südafrikanischen Provinz Ostkap ein menschlicher Schädel gefunden, der von einer international besetzten Forschergruppe auf ein Alter von etwa 36.000 Jahren datiert werden konnte. Zur Gruppe gehören Richard Bailey von der Universität Oxford, Frederick E. Grine von der Stony Brook University New York und Katerina Harvati vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Diese Datierung bestätigt genetische Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass der moderne Mensch (Homo sapiens) vom subsaharischen Teil Afrikas aus vor rund 40.000 Jahren die "Alte Welt" besiedelte, die "Out of Africa"-Hypothese. Der neu untersuchte Schädel gibt erstmals Einblicke in die Morphologie dieser subsaharischen Population. "Aus dieser Population stammen die Vorfahren aller heute lebender Menschen ab", so Teamleiter Grine (Science vom 12. Januar 2007). Der moderne Mensch scheint also vor etwa 40.000 Jahren aus seinem Ursprungsgebiet Afrika südlich der Sahara aufgebrochen zu sein und die Welt besiedelt zu haben. Damit schließt der Schädel eine wesentliche Lücke bei den im subsaharischen Afrika gefundenen menschlichen Fossilien, die aus der Zeit von vor etwa 70.000 bis 15.000 Jahren stammen (in Afrika das "Later Stone Age", in Europa das Jungpaläolithikum). Der Hofmeyr-Schädel weist überraschende Ähnlichkeit mit etwa gleich alten Schädeln aus Europa auf und unterstützt damit zum ersten Mal die auf genetischen Untersuchungen basierende "Out of Africa"-Hypothese. Durch eine neue Datierungsmethode, die unter Federführung von Richard Bailey entwickelt wurde, konnte die Bedeutung des fossilen Schädels erkannt werden. Gemessen wurde die Menge der Absorption der radioaktiven Strahlung der Sandkörner, die den Hofmeyr-Schädel ausfüllten. Die Paläoanthropologin Katerina Harvati nahm am Schädel dreidimensionale Ausmessungen vor, um mögliche Ähnlichkeiten mit anderen Schädeln festzustellen. Denn mit ihrer Hilfe lassen sich auch moderne menschliche Populationen entsprechend ihrer geographischen Verteilung und genetischen Verwandtschaft voneinander unterscheiden. So verglich Harvati den Hofmeyr-Schädel mit etwa gleich alten Exemplaren aus dem europäischen oberen Paläolithikum und mit heute in Eurasien und im subsaharischen Afrika lebenden Menschen, darunter den Khoisan (Buschmänner). Weil es aus der jüngeren archäologischen Geschichte Südafrikas Khoe-San-Schädel gibt, erwarteten die Paläoanthropologen, dass sie eine große Ähnlichkeit mit dem ebenfalls aus Südafrika stammenden Hofmeyr-Schädel aufweisen sollten. Sie stellten aber fest, dass der Hofmeyr-Schädel sich stark von den Schädeln heute lebender subsaharischer Afrikaner (einschließlich der Khoe-San) unterscheidet. Sehr ähnlich ist er dagegen den europäischen Funden aus dem oberen Paläolithikum. [1] [2] Bearbeiten Anatomische Besonderheiten und EvolutionBearbeiten Aufrechter GangAnhand der Skelettmerkmale kann festgestellt werden, dass sich der aufrechte, zweibeinige Gang des Menschen deutlich früher entwickelte als die starke Vergrößerung des Gehirns.
Ikonografie des Fortschritts. Diese überaus populäre Darstellung der (menschlichen) Evolution vermittelt die falsche Vorstellung der Evolution als einen gerichteten Verbesserungsprozess.
Zur Erklärung der Merkmale aufgrund veränderter Selektionsbedingungen gibt es mehrere Modelle, von denen einige stark umstritten sind:
Eine treibende Kraft der Hominisation war möglicherweise das Zusammenwirken von aufrechtem Gang (dadurch freie Greifhände) und dem Zwang zur Kooperation in der Gruppe. Hieraus könnte zuerst die Gebärdensprache und später die Wortsprache entstanden sein. Eine Verständigung über Zeichen begünstigt die Ablösung von instinktgesteuertem Verhalten zugunsten kultureller Normen. Dadurch wurden schnelle Anpassungen an neue Lebensräume und veränderte Lebensbedingungen zusätzlich zur biologischen Evolution möglich (Soziokulturelle Evolution). Bearbeiten HirnentwicklungDie Vergrößerung des Gehirns lässt sich nach neueren Erkenntnissen mit Mutationen der Kaumuskulatur oder des Keilbeins in Verbindung bringen.
Bearbeiten Anpassungen bei AustralopithecinenEine Klimaveränderung, ausgelöst durch die plattentektonische Hebung Ostafrikas, bewirkte eine weitgehende Versteppung des angestammten Lebensraums. Diese Grassteppe bot in erster Linie Nahrung für Grasfresser (Paarhufer, Wiederkäuer), die es vorher schon, meist in kleineren Formen, als Waldbewohner gab. Diese traten nun bald in großen Herden auf, und weil sie zahlreicher wurden, konnten sich auch Raubtiere und Aasfresser vermehren. So differenzierten sich zwei Typen von Vormenschen. Die eine Strategie war eine biologische Anpassung an das neue zellulosereiche Nahrungsangebot. Australopithecus robustus und andere Arten entwickelten als Anpassung eine gewaltige Kaumuskulatur und entsprechend mächtige Molaren. Die Muskulatur setzte dabei an einem deutlich sichtbaren Knochenkamm auf dem Scheitel des Schädels an. Es gab verschiedene, meist mächtige und große Primaten, die diese ökologische Nische zu nutzen versuchten, die allerdings allesamt wieder ausstarben. Eine andere Strategie war die des Fleischfressers. In den Anfängen dürfte sich dies aber auf Aas und Beuteraub beschränkt haben, da der Mensch weder die Fähigkeit besaß, als Raubtier größere Beutetiere zu stellen, noch über Klauen oder Zähne verfügte, die geeignet gewesen wären, ein Beutetier zu töten oder aufzubrechen. Sehr wahrscheinlich kam es hier zum ersten Werkzeuggebrauch, indem zufällig gefundene scharfkantige Steine dazu benutzt wurden, Beutetiere aufzubrechen. In dieser Phase der Evolution gab es also primitiven Werkzeuggebrauch und sehr wahrscheinlich auch einfache Formen der Kommunikation. Die frühe Menschheit stand unter einem starken Selektionsdruck. Die anderen Lebewesen der Steppe waren schon seit Millionen von Jahren an ihre Umgebung angepasst. In körperlicher Leistung konnte man es nicht mit ihnen aufnehmen. Jedoch verfügten die Affen über ein leistungsfähiges Gehirn. Der größte evolutionäre Schritt war dann aber wohl die Entwicklung der Jagd. Kommunikation und Waffen wurden dabei so weiterentwickelt, dass der frühe Mensch sein biologisches Manko durch kulturelle Leistungen aufhob und nun befähigt war, selbst zu jagen. Aber damit war die biologische Evolution nicht abgeschlossen. Unter dem Selektionsdruck, Werkzeuge und Kommunikation zu verfeinern, und dem Angebot von reichlich hochwertigem Eiweiß waren höhere intellektuelle Fähigkeiten von Vorteil. Nachdem der Mensch schon Jahrmillionen zuvor den aufrechten Gang erworben hatte, entwickelte er nun auch ein größeres Gehirn. Da sich das weibliche Becken unter Einfluss des aufrechten Ganges aber nicht an den wachsenden Kopfumfang des Neugeborenen anpassen konnte, kamen diese zu einem biologisch immer weiter vorverlegten Termin, also immer weniger weit entwickelt und immer mehr und länger auf Brutpflege angewiesen, zur Welt. Zudem war mehr Zeit nötig, um die Fähigkeiten von den Erwachsenen zu erlernen (vertikale Proliferation im Gegensatz zur horizontalen Proliferation durch Vererbung). Die Evolution half mit der „Erfindung“ der Pubertät. Die Entwicklung der Keimzellen wird für einige Jahre gestoppt, wodurch eine längere Zeit von Kindheit und Jugend entsteht, die es dem Menschen ermöglicht, alle überlebensnotwendigen Fähigkeiten zu erlernen (Neotenie). Das menschliche Gehirn wächst bis zum 23. Lebensjahr; bei den Primaten ist es nach 6 bis 12 Monaten ausgewachsen. Das ermöglicht eine verlängerte Lernphase. Die Geschlechtsreife findet jedoch schon vorher statt, (Menschen)Affen werden im Verhältnis zu ihrer mentalen Reife erst „spät“, mit 6 bis 7 Jahren geschlechtsreif. Eine weitere biologische Anpassung war das Schwitzen am gesamten Körper. Die ersten Primaten regulierten ihre Körpertemperatur vermutlich wie andere Säugetiere über die Atmung, was den Umfang der Wärmeabfuhr stark einschränkte. Kein anderer Primat verfügt über eine so hohe Dichte an Schweißdrüsen wie der Mensch. Er nutzte nun zur Wärmeabfuhr den ganzen Körper und wurde damit in puncto Ausdauer und Anpassungsfähigkeit den meisten Tieren überlegen. Außerdem ermöglichte das Schwitzen, auch unter großer Hitze oder Anstrengung die Kommunikationsfähigkeit über die Sprache zu erhalten. Wirklich effektiv war die Fähigkeit zu schwitzen jedoch nur, wenn kein Fell die Luftzirkulation behinderte. In der Folge wurde der Mensch also weitgehend unbehaart. Eigentlich ist es effektiver, ein kurzes Fell wie das eines Löwen zu tragen. Wärmeabsorption und UV-Schädigung sind auf nackter Haut weitaus höher. Jedoch war wohl der Selektionsdruck so stark, dass die Vorteile durch die Kühlung alle Nachteile aufwog. Später entwickelte der Mensch als Ersatz schützende Kleidung, die ihm das Überleben in kälteren Regionen ermöglichte. Bearbeiten BehaarungZur Behaarung können wir nur unsere Spezies betrachten, eine Aussage zu ausgestorbenen Spezies bezüglich Behaarung ist derzeit nicht möglich. Auffallend ist eine geringe Körperbehaarung; bei Primaten selbst der wärmsten Regionen ist die Körperbehaarung dichter. Daher wird die relative Nacktheit des Menschen in Bezug gebracht mit seiner Fähigkeit, sich am Feuer zu wärmen sowie sich zu kleiden (siehe auch Artikel Nacktheit) und ein Vorteil wird beim Lausen gesehen. Das Gesicht des Menschen ist teilweise arm an Behaarung, im Gegensatz zu anderen Primaten. Die Funktion des nackten Gesichtes wird darin gesehen, die beim Menschen sehr ausgeprägte Mimik in ihrer Erkennbarkeit zu unterstützen. Das über einige Jahre ungebremste Wachstum des Haupthaares des Menschen findet keine Parallele im Tierreich. Eine klare Funktion ist nicht ersichtlich. Der Bart des Mannes kann dahingehend gedeutet werden, ihn auf Entfernung als erwachsen und männlich zu identifizieren. Dem wirkt die Kultur mit Rasur entgegen, vielleicht um die Mimik besser zur Geltung kommen zu lassen, insbesondere nachdem geschlechtsspezifische Kleidungen in nördlichen und gemäßigten Breiten entwickelt wurden. Bearbeiten SexualverhaltenBearbeiten Genetisch determinierte Besonderheiten
Bearbeiten Kulturell etablierte Besonderheiten
Eine Reihe von Autoren vertritt die Position, dass der versteckte Eisprung, die Sexualität zum Vergnügen und die Privatheit des Sexualaktes Merkmale sind, die die Bindung des Mannes an eine Frau, d.h. die zur Kinderaufzucht notwendige langfristige wirtschaftliche Kooperation von Paaren begünstigt haben. Die Beendigung der Fruchtbarkeit der Frau ab einem Alter, in dem die Lebensgefährdung durch eine Geburt eine bestimmte Schwelle überschreitet, komme ebenfalls der Kinderaufzucht zugute und habe sich deshalb in der Evolution bewährt und durchgesetzt. Siehe auch: Menschliche Sexualität Bearbeiten Weitere anatomische und kulturelle BesonderheitenZu den anatomischen Besonderheiten zählen v.a. die leistungsfähige Greifhand, das größere Gehirn, der aufrechte Gang und sehr modulationsfähige Stimmbänder als Voraussetzung für die Fähigkeit des Sprechens. Zu den kulturellen Merkmalen zählen die extrem gesteigerte Fähigkeit zu kollektivem Lernen durch Sprache (d.h. symbolische Kommunikation), Kooperation und Technikeinsatz (Feuer, Werkzeuge, Landwirtschaft etc.). Mit zunehmender Leistungsfähigkeit der menschlichen Technik wächst die Abhängigkeit von ihr und gleichzeitig der Aufwand, der bei der Kinderaufzucht zur Weitergabe des technischen Wissens betrieben werden muss, bis die Nachkommen sich relativ selbständig ernähren und wiederum fortpflanzen können. Dieser wachsende Aufzucht-Aufwand wirkte über hunderte von Generationen als Selektionsdruck auf Anatomie und Sexualphysiologie zurück. Bearbeiten Quellen
Bearbeiten Siehe auch
Bearbeiten Exemplarische Literatur
Bearbeiten Weblinks
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