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Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) war eine rechtskonservative Partei in der Weimarer Republik, deren Programmatik Nationalismus, Nationalliberalismus, Antisemitismus, kaiserlich-monarchistischen Konservatismus sowie völkische Elemente beinhaltete. Nachdem sie anfänglich eindeutig republikfeindlich gesinnt war und beispielsweise den Kapp-Putsch unterstützte, beteiligte sie sich ab Mitte der 20er Jahre zunehmend an Regierungen auf Reichs- und Länderebene. Im Anschluss an die Wahlniederlage von 1928 und nach der Wahl des Verlegers Alfred Hugenberg zum Parteivorsitzenden rückte die DNVP jedoch wieder deutlich nach rechts. Durch die Kooperation mit der NSDAP verlor die Partei ab 1930 zunehmend an Bedeutung, um nach ihrer Selbstauflösung im Juni 1933 geschlossen zur NSDAP überzutreten.
Bearbeiten GeschichteDie DNVP wurde am 24. November 1918 gegründet und löste sich im Juni 1933 auf. Sie war Nachfolgerin der Deutschkonservativen Partei, der Reichs- und Freikonservativen Partei, der Vaterlandspartei sowie einer Reihe kleinerer konservativer und zum Teil antisemitischer Gruppierungen; außerdem schlossen sich einzelne Angehörige des rechten Flügels der Nationalliberalen Partei der DNVP an. 1922 spaltete sich ein Großteil der antisemitischen Kräfte ab und gründete die Deutschvölkische Freiheitspartei. Die DNVP sah sich selbst in der Tradition der einstigen „Deutschnationalen Bewegung“. Die DNVP bezog ihre Programmatik aus Nationalismus, kaiserlichem Nationalkonservatismus, Monarchismus und Antisemitismus. Zur ihrer Wählerschaft zählten vor allem ostelbische Großgrundbesitzer, Adlige, ehemalige Offiziere aus dem Ersten Weltkrieg, Freiberufler, Intellektuelle, Beamte, Bauern sowie Teile der nicht von der politischen Linken oder dem katholischen Zentrum erfassten Arbeiterschaft und Angestellte. Für die letztgenannten Gruppen bestand mit dem Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband (DHV), der auch gewerkschaftliche Funktionen erfüllte, ein parteinahes Sammelbecken. Die bekanntesten Mitglieder und Gründer waren Oskar Hergt (ehem. preuß. Finanzminister), Alfred von Tirpitz (Großadmiral im Ersten Weltkrieg und Begründer der deutschen Hochseeflotte), Wolfgang Kapp (ehem. Vaterlandspartei und Initiator des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920), Alfred Hugenberg (bis 1918 Vorstandsvorsitzender der Friedrich Krupp AG, dann bis 1933 einflussreicher Medienunternehmer, ab 1928 Vorsitzender der Partei und schließlich Wirtschaftsminister im ersten Kabinett Hitler), Karl Helfferich, ein ehemaliger Staatssekretär der Reichsfinanzen, der sich von einem Liberalen zu einem der heftigsten Wortführer der Deutschnationalen gewandelt hatte und sich durch Rufmordkampagnen gegen den Reichspräsidenten Friedrich Ebert sowie gegen Matthias Erzberger hervortat, die im letzteren Fall tatsächlich zur Ermordung des Opfers führten, ferner Johann Victor Bredt, Hermann Dietrich, Siegfried von Kardorff, Martin Schiele, Wilhelm Wallbaum, Ferdinand Werner und Kuno Graf von Westarp. Auch Käthe Schirmacher, eine zuvor eher linksgerichtete Frauenrechtlerin, sowie die Theologen Gottfried Traub und Reinhard Mumm saßen ab 1919 für die DNVP in der Weimarer Nationalversammlung. Die DNVP stand im rechtskonservativen Spektrum des Parteiensystems. Im Gegensatz zu den Konservativen der Kaiserzeit konnte sie allerdings ihre soziale Basis erweitern und neben ihren Hochburgen in den ostelbischen Agrargebieten (Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, Ostpreußen) auch in den städtischen Unter- und Mittelschichten Wähler gewinnen. Während sie in den Anfangsjahren die Republik bekämpfte und deshalb auch den Kapp-Putsch unterstützte, setzten Mitte der 20er Jahre die gouvernemental-konservativen Kräfte Regierungsbeteiligungen auf Reichsebene durch. Auch in einer Reihe von Ländern des Reiches (u.a. Bayern, Bremen, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Sachsen, Württemberg) gelangte die DNVP im Rahmen von Koalitionen zeitweise an die Regierung. Nach der Wahlniederlage bei der Reichstagswahl 1928 wurde Alfred Hugenberg zum Parteivorsitzenden gewählt, der einen Rechtsruck einleitete und die gemäßigten Kräfte wie den ehemaligen Parteivorsitzenden Kuno Graf Westarp oder Gottfried Treviranus aus der Partei verdrängte. Deren Versuch, die Partei zu spalten oder wenigstens einen Teil der Abgeordneten und Wähler mit zur neu gegründeten Konservativen Volkspartei (KVP) hinüberzuziehen, misslang weitgehend. Vielmehr wurde dadurch jeglicher innerparteilichen Opposition gegen den nun offen republikfeindlichen Kurs Hugenbergs der Boden entzogen. Eine parlamentarische Zusammenarbeit mit Parteien, die auf dem Boden der Weimarer Reichsverfassung standen, war von nun an ausgeschlossen. Im Reichstag sowie in verschiedenen Landtagen von Ländern des Deutschen Reiches bildete die DNVP eine Fraktionsgemeinschaft mit den Abgeordneten vom Landbund, die auf eigenen Listen regionaler Gliederungen des Reichslandbundes (z. B. Hessischer Bauernbund, Thüringer Landbund, Württembergischer Bauern- und Weingärtnerbund) in den Reichstag gewählt worden waren. In Württemberg trat die DNVP in der Weimarer Republik unter der Bezeichnung Württembergische Bürgerpartei auf, in Bayern unter dem Namen Bayerische Mittelpartei. Außerhalb des Deutschen Reiches gab es die DNVP in der Freien Stadt Danzig. In Österreich repräsentierte zu dieser Zeit die mit der DNVP eng verwandte Großdeutsche Volkspartei das deutschnationale Lager. 1929 kooperierte die DNVP mit der NSDAP beim Volksbegehren zur Ablehnung des Young-Planes. Ab 1930 geriet die DNVP gegenüber der NSDAP deutlich ins Hintertreffen, bildete aber mit dieser zusammen am 11. Oktober 1931 die kurzlebige Harzburger Front. Die DNVP verlor immer mehr an Bedeutung. Ebenfalls 1932 unterstützte sie das Kabinett Papen und trat am 30. Januar 1933, als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, in das Kabinett Hitler ein. Zur Reichstagswahl 1933 trat die DNVP unter der Bezeichnung Kampffront Schwarz-Weiß-Rot an und erreichte 8 % der Stimmen und damit 52 Sitze im Reichstag. Der DNVP-Vorsitzende Hugenberg setzte die Koalition mit Hitlers NSDAP fort und führte damit seine Partei als eigenständige politische Kraft ihrem Untergang entgegen. Hugenberg trat als Reichswirtschaftsminister und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft in das Kabinett Hitler ein. Während der Londoner Weltwirtschaftskonferenz im Juni 1933 wurde der Entwurf einer Rede Hugenbergs bekannt, in der die Forderungen nach Rückgabe der deutschen Kolonien in Afrika und Erschließung von Siedlungsraum im Osten enthalten waren. Hitler kamen jedoch aggressive Töne dieser Art in der Phase der geheimen Aufrüstung und der beschwichtigenden „Friedensreden“ nicht gelegen, und er sprach ihm das Mißtrauen aus. Daraufhin reichte Hugenberg am 27. Juni 1933 seinen Rücktritt ein. Am selben Tag löste sich die DNVP, die sich zuletzt in Deutschnationale Front umbenannt hatte, auf Druck der NSDAP selbst auf. Ihre Reichstagsabgeordneten schlossen sich unverzüglich der NSDAP-Fraktion als Mitglieder oder Hospitanten an, für die sie gegen Ende der Republik nur noch „Steigbügelhalter“ waren. Andererseits kamen auch einige Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus aus der DNVP oder ihrem Umfeld (z.B. Carl Friedrich Goerdeler). Dies gilt insbesondere für den Staatsstreich am 20. Juli 1944. Bearbeiten Parteiprogramm der DNVPBearbeiten Innenpolitische Forderungen
Bearbeiten Außenpolitische Forderungen
Zur Verbreitung dieser Ziele und Absichten waren die einflussreichen Zeitungen des Hugenberg-Konzerns sehr nützlich. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Politik der DNVP auf eine Wiederherstellung der Verhältnisse vor dem Ersten Weltkrieg zielte. Bearbeiten Vorsitzende
Bearbeiten Wahlergebnisse der DNVP
Bearbeiten Versuche einer Neugründung bzw. WiedergründungBearbeiten Erster Versuch (1945–1950)Bereits im Herbst 1945 gab es in der britischen Besatzungszone Bestrebungen, die DNVP unter anderem Namen zu reaktivieren. Zu dieser Zeit bildeten sich die Deutsche Konservative Partei und die Deutsche Aufbaupartei, welche 1946 fusionierten. Der neue Parteiname lautete Deutsche Rechtspartei – Konservative Vereinigung. Die programmatische Basis bildete das „Manifest der Rechten“, auch „Konservatives Manifest“ genannt: Dieses Parteiprogramm war gemäßigter als die Programme der vormaligen DNVP; man war von den Versuchungen des extremen Nationalismus und Antisemitismus geläutert und wollte eine parlamentarische Monarchie in einem, in Europa integrierten, einheitlichen Deutschland auf christlich-ethischen Grundlagen errichten. Trotzdem strömten ab 1948 frühere NSDAP-Mitglieder in die DNVP-Nachfolgepartei, so dass es bald zwei Flügel gab: einen deutschnational-konservativen und einen völkisch-nationalistischen. 1948 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Konservative Partei – Deutsche Rechtspartei; unter dieser Bezeichnung kandidierte sie 1949 in der Britischen Besatzungszone für den Bundestag und kam bundesweit auf 1,8 % der Stimmen. In den 1. Bundestag entsandte die Partei fünf Abgeordnete, da sie in Form der Deutschen Rechtspartei in Niedersachsen mit 8,1 % der Stimmen die 5%-Hürde übersprungen hatte. Ende 1949 spaltete sich der radikale Flügel – vor allem vom niedersächsischen Landesverband – ab und bildete die 1952 verbotene Sozialistische Reichspartei (SRP). Der Versuch, die DNVP in Form der DKP-DRP wiederzubeleben, scheiterte endgültig 1950, als sich die Deutsche Rechtspartei Niedersachsen abspaltete und mit der NDP Hessen von Heinrich Leuchtgens zur Deutschen Reichspartei (DRP) fusionierte. Der Rest der Partei, also die Deutsche Konservative Partei in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg, schloss sich vor allem der FDP und der Deutschen Partei (DP) an. Bearbeiten Zweiter Versuch (1962–1964)Am 21. September 1962 gründete der ehemalige FDP- und DP-Bundestagsabgeordnete Heinrich Fassbender, der bereits in der Weimarer Republik DNVP-Mitglied gewesen war, mit einigen national-konservativen Gesinnungsgenossen eine neue DNVP. Nachdem dieser kein Erfolg beschieden war, überführte Fassbender sie 1964 in die neugegründete NPD. Siehe auch: Monarchisten in Deutschland Bearbeiten Fußnoten
Bearbeiten Literatur
Bearbeiten Weblinks |
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